Hobbygärtner betrachten Zaunwinden (Calystegia) mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Dem Zauber prächtiger Zaunwinden Blüten kann sich niemand verschließen. Mit ihrem invasiven Ausbreitungsdrang haben sich Zaunwinden den Ruf als Unkraut eingebrockt. Dieser Ratgeber beleuchtet beide Eigenschaften als Entscheidungshilfe bei der Frage, ob man die Zaunwinde bekämpfen oder pflanzen sollte. Auf geht’s!
Das Beitragsbild ist von Tauralbus – CC BY 2.0

Kurzfassung

Wie kann man die Zaunwinde bekämpfen?
Die Zaunwinde (Calystegia sepium) gilt als Unkraut, weil sie mit wucherndem Wachstum ihrer Rhizome und Ranken an allem emporklettert von Bäumen und Hecken bis Zäunen, Mauern, Fallrohren und Hauswänden. Mit langfristigem Erfolg können ausschließlich mechanische Methoden die Zaunwinde bekämpfen. Hierzu zählen regelmäßiges Entfernen der oberirdischen Pflanzenteile, um die Rhizome auszuhungern. Als Bodendecker deckt man die Zaunwinde ab, denn ohne Licht und Fotosynthese stirbt die Pflanze ab und kann ausgegraben werden.

Zaunwinde bekämpfen – Die besten Tipps für Hobbygärtner
Geplagte Hobbygärtner kennen das Problem. Die Zaunwinde wächst wuchernd als Bodendecker und Kletterpflanze. Die kräftigen, oft meterlangen und tiefreichenden Rhizome, kann man nicht wie herkömmliches Unkraut jäten. Ziehen an den dünnen Schlingtrieben entfernt lediglich die oberirdischen Pflanzenteile. Von Stauden oder Blumen lassen sich die Ranken nicht lösen, ohne an den Wirtspflanzen erheblichen Schaden anzurichten. Im Kampf gegen lästige Zaunwinden stehen Sie dennoch nicht auf verlorenem Posten. Zwei giftfreie Methoden haben sich im naturnahen Garten hervorragend bewährt:

Zaunwinde bekämpfen durch Zermürbungsmethode
Die Zermürbungsmethode zielt darauf ab, die Zaunwinde auszuhungern. Können die Ranken keine Nährstoffe mehr an die Rhizome liefern, stirbt die Staude ab. So gehen Sie richtig vor:









Oberirdische Pflanzenteile auf Bodenhöhe mit der Hacke abschlagen oder einer Staudensichel (gibt’s bei Amazon) abschneiden.









Die Maßnahmen während der Saison mehrmals durchführen.









Diejenigen Triebe mit Kapselfrüchten im Hausmüll oder Biomüll entsorgen.









Schlingranken an Stauden und Blumen nicht abziehen, sondern abschneiden, vertrocknen lassen und dann erst entfernen.
Indem Sie konsequent alle Triebe mitsamt Blättern und Blüten kurz über dem Boden entfernen, gehen den Rhizomen auf Dauer die Nährstoffe aus. Bleiben Sie dem Unkraut mit dieser Zermürbungstaktik auf den Fersen, stellt die Zaunwinde nach einem bis zwei Jahren das Wachstum ein und treibt nach dem Winter nicht mehr aus. Das ist der beste Zeitpunkt, um die Wurzeln auszugraben.



Zaunwinde Bodendecker bekämpfen durch Dunkelheit
Ohne Sonnenlicht keine Fotosynthese. So lautet die Erfolgsformel für eine zügige Bekämpfung von Zaunwinden, die sich in Ermangelung einer Rankhilfe als invasiver Bodendecker lästig werden. Breiten Sie eine dunkle Abdeckung aus Pappe oder Mulchfolie über der verunkrauteten Fläche aus. Mit Rindenmulch, Pinienrinde oder Holzhäcksel kaschieren Sie das unansehnliche Erscheinungsbild. Nach 6 bis 9 Monaten ist das Unkraut vollkommen abgestorben und kann ausgegraben werden.


Studie beweist: Herbizide wirken nicht gegen Zaunwinde
Im Rahmen einer Dissertation an der Universität Hohenheim untersuchten Wissenschaftler die Wirkung von Unkrautvernichtern auf die Zaunwinde (Calystega sepium) und die Ackerwinde (Convolvulus arvensis). Es kamen hauptsächlich Herbizide zum Einsatz mit dem Wirkstoff TCM (Thiencarbazonemethyl) sowie Dicamba und Glyphosat, die über die Blätter aufgenommen werden. Anfänglich stellten die Wissenschaftler einen Bekämpfungserfolg von 80 % bis 100 % fest. Sobald die Sprossen eine Länge von 5 cm bis 30 cm erreichten, sank der Effekt um 40 %. Endergebnis der Studie ist, dass die Herbizide keinen ausreichenden, langfristigen Bekämpfungserfolg gegen Calystega sepium und Convolvulus arvensis erzielen. Als hilfreich sehen die Wissenschaftler die mechanische Bekämpfung durch eine starke Zerteilung der Rhizom- und Wurzelstücke in Kombination mit einer hohen Vergrabungstiefe. Die vollständige, frei zugängliche Studie können Sie hier nachlesen unter dem Titel „Generative sowie vegetative Vermehrung, Entwicklung, Morphologie und chemische Bekämpfung der windenden Unkrautarten: Calystegia sepium (L.) R. Br., Convolvulus arvensis L., Ipomoea hederacea Jacq., Ipomoea purpurea (L.) Roth und Fallopia convolvulus L.“
- Die Zaunwinde ist bienenfreundlich …
- … und eine Schmetterlingsweide.
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Zaunwinde Steckbrief – Alle Eckdaten im Kurzüberblick


Erläuterungen zum Zaunwinden Steckbrief
In den folgenden Abschnitten erfahren Sie wissenswerte Einzelheit über die Zaunwinde, von Giftigkeit, Heilwirkung und Blütezeit bis Wachstum, Verwendung und den Unterschied Zaunwinde Ackerwinde.



Ist die Zaunwinde giftig?
Die Zaunwinde ist durchströmt von verschiedenen toxischen Glykosiden. Aufgrund dieser Inhaltsstoffe wird die Gattung Calystegia im Allgemeinen und die Echte Zaunwinde im Besonderen den schwach giftigen Wildpflanzen zugeordnet. Infolgedessen sind Blüten, Blätter, Wurzeln und andere Pflanzenteile einer Zaunwinde nicht essbar. Absichtlicher oder unabsichtlicher Verzehr verursacht bei empfindlichen Menschen Durchfall, Übelkeit, Magenbeschwerden und schlimmstenfalls Erbrechen.


Welche Heilwirkung wird der Zaunwinde Heilpflanze nachgesagt?
In der Volksheilkunde spielt die Echte Zaunwinde eine untergeordnete Rolle. Verschiedene Inhaltsstoffe erzeugen dennoch eine Heilwirkung, insbesondere erweichend, harntreibend und lindernd. Man kann die Zaunwinde Heilpflanze anwenden bei Verstopfung, Gallenschwäche, Leberschwäche und Fieber.


Bild von Bárbol – CC BY-NC-SA 2.0



Wann hat die Zaunwinde Blütezeit?
Mit ihren malerischen Blüten gaukeln Zaunwinden vor, sie seien harmlose Zierpflanzen. In Wahrheit transportieren die Windengewächse ihren leuchtend weißen Blütenschmuck mit rasant schlingenden Trieben gen Himmel. An folgenden Eigenschaften ist die Blüte einer Zaunwinde zu erkennen:
Blütenform: gestielt, fünfzählig, trichterförmige Blütenkrone
Blütenfarbe: leuchtend weiß
Größe: Blütenkrone mit 5 cm bis 7 cm im Durchmesser
Blütezeit: Mai bis September, gelegentlich bis Oktober
Blütenökologie: zwittrig
Bestäubung: Windenschwärmer, Schwebfliegen, Bienen, Hummeln, Schmetterlinge, Nachtfalter, Selbstbestäubung
Besonderheit: Blüten sind Tag und Nacht geöffnet, schließen nur bei Regenwetter.
Am Anschluss an die Zaunwinde Blütezeit entstehen braune Kapselfrüchte mit 3 bis 4 eiförmigen, 25 mg bis 30 mg schweren Samen, die sich munter an der Vermehrung beteiligen.



Wie wächst die Zaunwinde Wurzel?
Die Wurzeln sind verantwortlich für eine invasive Ausbreitung und explosionsartige Vermehrung. Zaunwinden bilden kriechende Rhizome, die bis in 70 Zentimeter Tiefe wachsen. Fatalerweise kriechen die episch langen Wurzeln in alle Richtungen. Aus Sprossknollen an den Enden wachsen neue Ableger. Ein kleines Wurzelstück reicht aus, damit daraus eine neue Zaunwinde entsteht. Als Überdauerungsorgane überwintern die Rhizome im Erdreich und schicken im Frühling junge Schlingtriebe auf die Reise durch Ihren Garten.
Mit den vitalen Wurzeln als Rückendeckung erobern die Schlingtriebe rasant Zäune, Pfosten, Stauden, Blumen und Baumstämme. Dabei führen die Triebspitzen kreisförmige Suchbewegungen aus. Für eine 360° Windung gegen den Uhrzeigersinn benötigt die linkswindende Ranke einer Zaunwinde knapp 2 Stunden.


Ist die Zaunwinde winterhart?
Ja, die Zaunwinde ist winterhart und mehrjährig. Die sommergrünen, oberirdischen Pflanzenteile sterben im Winter ab. Als Überdauerungsorgane überwintern die Rhizome im Boden. Daraus treibt die Zaunwinde im Frühling wieder aus.



Wie kann man die Zaunwinde verwenden?
Die Zaunwinde begeistert mit wunderschönen Blüten, langer Blütezeit und einem schnellen, blickdichten Wachstum. Seit dem Mittelalter ist die Echte Zaunwinde des Gärtners treuer Wegbegleiter im Bauerngarten, Klostergarten, Ziergarten und auf dem Balkon. Lassen Sie sich von folgenden Ideen für die Verwendung inspirieren:









Üppig blühender Zaungucker.









Dichter Bodendecker, der Unkraut wirksam unterdrückt.









Sommergrüne Fassadenbegrünung, ähnlich der Pfeifenwinde.









Blühende Begrünung von Hecken und Bäumen, ähnlich der Clematis.
Im Kübel und Blumenkasten mit Rankhilfe macht sich die Zaunwinde nützlich als Sichtschutz auf dem Balkon und blüht länger als die Prachtspiere (Spiraea vanhouttei) und andere winterharte Sichtschutzpflanzen im Kübel.
- Zaunwinden Blüten
- Ackerwinde Blüte
Bild Zaunwinde von Annette Meyer, Bild Ackerwinde von Wikimediaimages auf Pixabay


Unterschied Zaunwinde Ackerwinde
Die Ackerwinde (Convolvulus arvensis) sieht einer Zaunwinde (Calystegia sepium) zum Verwechseln ähnlich. Beide Windengewächse schlingen sich im rekordverdächtigen Tempo gegen den Uhrzeigersinn um jede geeignete Unterlage.
Wichtigster Zaunwinde Ackerwinde Unterschied sind die Blüten. Zaunwinden-Blüten sind leuchtend weiß und bis 7 cm groß. Ackerwinden-Blüten sind zartrosa oder rosa-weiß gestreift und halb so groß. Außerhalb der Blütezeit geben die Blätter einen Hinweis, welches Windengewächs Sie vor sich haben. Zaunwinden Blätter sind pfeilförmig und überwiegend eiförmig-rundlich. Ackerwinden Blätter sind ebenfalls pfeilförmig, jedoch zumeist länglicher.




Zaunwinde pflanzen – Die besten Tipps
Im Naturgarten ist die Zaunwinde ein Volltreffer, um innerhalb kurzer Zeit unansehnliche Fallrohre dekorativ zu begrünen. Am schönsten setzen sich die üppigen Wildpflanzen im Bauerngarten in Szene am Staketenzaun oder dem Rosenbogen über dem Eingang. Die Anzucht durch Aussaat ist ganzjährig möglich auf der hellen Fensterbank bei 20 Grad bis 25 Grad Celsius. Fertig vorgezogene Zaunwinden hält die Staudengärtnerei für Sie im Frühling und Sommer bereit. Ein Blick auf die folgenden Pflanztipps lohnt sich:




Bester Standort für die Echte Zaunwinde
Die Zaunwinde bevorzugt einen sonnigen bis halbschattigen Standort. In Bezug auf die Bodenqualität ist die Schlingpflanze anspruchslos. Perfekt geeignet ist eine frische bis trockene, lehmig-sandige, gut durchlässige Gartenerde.
Balkongärtner stellen die Zaunwinde auf den Süd-, West- oder Ostbalkon. Als Topferde eignet sich die torffreie Floragard Bio-Universalerde (gibt’s bei Amazon). Wichtig ist eine Drainage auf dem Gefäßboden aus Splitt, Tonscherben oder Tongranulat, abgedeckt mit einem Drainagevlies (gibt’s bei Amazon).


Zaunwinde pflanzen – Schritt-für-Schritt-Anleitung
Beste Pflanzzeit für vorgezogene und pflanzfertig gekaufte Zaunwinden ist von März bis Oktober. Vor der Pflanzung sollten die Jungpflanzen zur Abhärtung für einige Tage im wind- und regengeschützten Halbschatten verbringen. So pflanzen Sie die Echte Zaunwinde richtig:



Vor der Pflanzung stellen Sie den Wurzelballen mit Topf für einige Minuten in Wasser.



Derweil graben Sie die Pflanzstelle spatentief um, jäten das Unkraut, entfernen alte Wurzeln und große Steine.


Heben Sie eine Pflanzgrube aus mit dem doppelten Volumen des Wurzelballens und mischen den Aushub mit Kompost oder dem Stauden-Langzeitdünger von Compo (gibt’s bei Amazon).


Setzen Sie den ausgetopften Wurzelballen in die Pflanzgrube mit einer leichten Neigung zur Rankhilfe und füllen die Hohlräume mit Erde.


Zum Abschluss befestigen Sie die unteren Triebe mit Pflanzenklammern (gibt’s bei Amazon) an der Rankhilfe, drücken die Erde mit beiden Händen fest und gießen durchdringend an.
Mulchen mit Rindenmulch oder Jumbogras Häckseln (gibt’s bei Amazon) unterdrückt in der Anfangsphase das Unkraut, bis die Zaunwinde mit ihren großen Blättern den Boden beschattet und sich Unkräuter selbst vom Hals hält.


Zaunwinde richtig pflegen
Die Zaunwinde ist sehr pflegeleicht. Mit ihren tiefen Wurzeln zapft die Staude das Grundwasser an. Eine Startdüngung im Frühjahr deckt den Nährstoffbedarf ab. Mit einem Schnitt im Spätwinter machen Sie den Weg frei für den diesjährigen Austrieb. Nützliche Tipps rund um die Pflege lesen Sie in den folgenden Abschnitten:


Zaunwinde bei Trockenheit gießen
Jungpflanzen sind in den ersten Wochen auf regelmäßiges Gießen angewiesen. Zu dieser Zeit bahnen sich die Wurzeln ihren Weg in Richtung des Grundwassers. Gut verwurzelte Zaunwinden gießen Sie bei sommerlicher Trockenheit. Lassen Sie das Wasser direkt auf die Wurzelscheibe laufen. Die malerischen Trichterblüten verschließen sich im Nu, wenn Sie die Kletterschönheiten mit dem Wasserschlauch besprühen.


Zaunwinde im Frühjahr düngen
Den hohen Nährstoffbedarf einer Zaunwinde decken Sie am einfachsten im April mit einem Stauden Langzeitdünger, der bis zu 5 Monate kontinuierlich die richtige Nährstoffmenge an die Rhizome abgibt. Als organische Alternative düngen Sie die Zaunwinde im Oktober und März mit Kompost oder Hornspänen. Hierzu arbeiten Sie je m² 3 l bis 5 l Kompost oder 200 Gramm Hornspäne (gibt’s bei Amazon) in die Erde ein und gießen nach.


Zaunwinde im März schneiden
Bester Zeitpunkt für den Staudenschnitt einer Zaunwinde ist im Spätwinter. Bis dahin dienen die abgestorbenen Blätter als natürlicher Winterschutz. Nach den letzten starken Frösten schneiden Sie alle oberirdischen Pflanzenteile ab und ziehen die Ranken von der Kletterhilfe. Setzen Sie eine Bypass-Gartenschere, z. B. von Fiskars oder japanische Staudensichel, z. B. von Takahana (gibt’s bei Amazon) kurz über dem Boden an. Der Rückschnitt zu langer Triebe ist jederzeit möglich.
Wichtig: Um eine unkontrollierte Vermehrung zu verhindern, entsorgen Sie das Schnittgut nicht auf dem Kompost. Wurzelstücke und Samen einer Zaunwinde überstehen mitunter den Zersetzungsprozess im Komposthaufen.


Fazit
Ich hoffe sehr, dass dieser Ratgeber hilfreich war bei Ihrer Entscheidung, ob Sie die Zaunwinde bekämpfen oder pflanzen möchten. Zweifellos erfordert die mechanische Bekämpfung Muskelkraft und viel Geduld, wird letztlich freilich mit einem langfristigen Erfolg belohnt. Deutlich schneller entfaltet die Zaunwinde ihre natürliche Blütenschönheit, wenn Sie die Staude am sonnigen Standort pflanzen. Als Balkongärtner kommen Sie erst gar nicht in die Verlegenheit, sich zwischen Bekämpfung und Pflanzung einer Zaunwinde entscheiden zu müssen, sondern erfreuen sich an einer üppig blühenden Kletterpflanze mit Sichtschutzfunktion.
Quellen: Wikipedia.org, Zaunwinden und Wikipedia.org, Echte Zaunwinde und Wikipedia.org, Ackerwinde und Heilkräuter.de, Zaunwinde und Sunshine-seeds.de, Calystegia und Bio-Gaertner.de, Unkraut-Wildkraut und Wildpflanzen Gärtnerei Strickler, Calystegia sepium Rhizome
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