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Zell am See Video: Streuobstwiese im Wandel der Jahreszeiten

22. März 2024
Blühende Obstbäume in einer Streuobstwiese am Zeller See im Frühling.
Blühende Obstbäume in einer Streuobstwiese am Zeller See im Frühling.

Streuobstwiesen sind Schätze der Natur und ein Garten Eden für mehr als 5000 Pflanzen- und Tierarten. Ich lade Sie ein, mit mir einen der selten gewordenen Lebensräume durch die Jahreszeiten zu begleiten. Heute sehen Sie das erste Video, aufgenommen am 20.03 oberhalb vom Südufer des Zeller Sees. Noch stehen die alten, knorrigen Obstbäume ohne ihr Laub- und Blütengewand da. Nicht mehr lange, dann entfaltet sich hier ein atemberaubendes Naturschauspiel. Außerdem habe ich sehr interessante Fakten für Sie zusammengetragen mit Tipps, wie selber eine Streuobstwiese anlegen.

Was ist eine Streuobstwiese?

Streuobstwiesen sind eine traditionelle Form des bäuerlichen Obstanbaus. Hochstämmige Obstbäume stehen locker verstreut auf einer Wiese, die zugleich als Viehweide dient und lediglich ein- bis zweimal gemäht wird. Die landschaftsprägenden Elemente im Alpenraum sind ein Epizentrum der Biodiversität. Streuobstwiesen werden naturnah bewirtschaftet und gehören zu den vielfältigsten Lebensräumen in Europa.

Zitat: „Dank ihres reichhaltigen Nahrungs- und Strukturangebots bieten sie Lebensraum für mehr als 5.000 Tier- und Pflanzenarten. Als Kohlenstoffspeicher und regionale Nahrungsmittelversorger leisten Streuobstwiesen zudem einen wirksamen Beitrag zum Klimaschutz“ (Quelle: Franz Maier, Präsident des Umweltdachverbandes Österreich)

Bedeutende Streuobst-Regionen Europas sind neben Österreich in der Bretagne und Normandie, in Luxemburg, Schwaben, Slowenien und in der Schweiz zu bewundern, wenn sie Ende April in voller Blüte stehen. In Deutschland befinden sich größere Streuobstwiesen in Süddeutschland, am Nordhang des Kyffhäusers im Harz und am Fuße der Schwäbischen Alb.

Quellen: Wikipedia.org, hier Streuobstwiese Definition und UmweltDachverband.at, hier Streuobst in Österreich PDF und NABU.de, hier Erster Tag der Streuobstwiese in Europa

Welche Bäume eignen sich für eine Streuobstwiese?

Für die Streuobstwiese eignen sich primär veredelte Hochstämme, die großkronig erzogen und ohne dauerhafte Stützpfähle freistehend gedeihen. Erziehung und Schnittpflege orientiert sich an den natürlichen Wuchsformen. Im Unterschied dazu sind Wildformen sehr anspruchsvoll, pflegeintensiv und anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Das sind weitere wesentliche Faktoren:

Unterschiedliche Wuchsformen und Stammhöhen

Regionaltypische Obstarten und Obstsorten

Aufbau eines Bestandes an Bäumen in unterschiedlichen Altersklassen

Der konsequente Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel

Das Ergebnis dieser Bemühungen ist ein Zitat: Hotspot der Biodiversität (Quelle: Umweltdachverband.at, hier Vorstellung der Broschüre Streuobst in Österreich).

Streuobstwiese anlegen – Die besten Tipps

Beste Pflanzzeit

Im Herbst ist die beste Zeit für die Pflanzung von Obstbäumen. Im sonnenwarmen Boden können die Wurzeln rasch Fuß fassen. Oftmals gibt es von September bis November ausreichend Regen, sodass die zusätzliche Bewässerung nicht nötig ist. Ein zweites Zeitfenster für die Anlage einer Streuobstwiese öffnet sich im Frühjahr. Bis April sollten alle Obstbäume gepflanzt sein.

Grüner Daumen - Gartenblog von Gudrun Theissen

Grüner-Daumen-Tipp: Die Pflanzzeit kann spürbar die Knie belasten. Wenn Sie zukünftig bei Pflanz- und Pflegearbeiten in die Knie gehen, sollte eine gepolsterte Kniebank griffbereit sein. Zusätzliche Seitengriffe helfen beim Aufstehen. Umgedreht wird die Kniebank zur gepolsterten Gartenbank. Top-Angebot bei Amazon ist die Kesser 2in1 Kniebank. Übrigens: Ich habe herausgefunden, dass die gepolsterte Kniebank auch bei der Hausarbeit eine hervorragende Hilfe ist, wenn ich beispielsweise in der gefliesten Küche die unteren Schränke putze.

Der richtige Standort für eine Streuobstwiese

Der optimale Obstbaumboden ist frisch, gut durchlässig, tiefgründig, locker-humos, leicht sauer mit einem pH-Wert von 5,5 bis 7,0. Staunasse Lagen sind ungeeignet. Am Standort einer Streuobstwiese ist es sonnig und warm, idealerweise ohne Spätfrostgefahr und windgeschützt.

Obstbäume im richtigen Pflanzabstand einpflanzen

Hochstämmige Obstbäume brauchen Platz um sich herum. Der durchschnittliche Pflanzabstand beträgt 8 m bis 10 m. Bäume mit breiten Kronen kommen im Abstand von 10 m bis 12 m in die Erde. Achten Sie einmal auf die uralten Obstbäume in meinem Video. Diese konnten sich in all den Jahren frei und ohne Schattenwurf entfalten.

Unser Bergbauer im Video hat keine Nachbarn, die sich über den Grenzabstand beschweren könnten. Dieser Aspekt darf freilich nicht fehlen. Als Faustformel gilt: Der Abstand eines Obstbaumes zur Grundstücksgrenze entspricht dem 1 1/2-fachen der erwarteten Endhöhe. Ein kurzer Anruf beim zuständigen Ordnungsamt gibt gesetzeskonforme Sicherheit.

Grüner Daumen - Gartenblog von Gudrun Theissen

Grüner-Daumen-Tipp: Für die Bodenvorbereitung und Einarbeitung von Zuschlagstoffen gibt es die Einhell Elektro-Bodenhacke. Während Sie hinter dem Gartengerät schreiten, lockern 6 rotierende Hackmesser den Boden bis 220 mm tief auf, das entspricht einer 2-Spaten-Tiefe.

Pflanz-Tipps für eine Streuobstwiese

Die Erde 2-Spaten-tief umgraben, dabei den Aushub idealerweise durch ein Standsieb werfen.

Pro m² Pflanzfläche 3 l bis 5 l Kompost einarbeiten, jedoch keinen frischen Mist.

Derweil den Wurzelballen bzw. die Wurzeln in Wasser stellen.

Das Pflanzloch ist doppelt so groß, wie der Wurzelballen.

Neben jedem Obstbaum im Abstand von 50 cm 2 bis 4 Stützpfosten einschlagen und mit Kokosstricken verbinden.

Obstbaum pflanzen, Erde festtreten und alles gut einschlämmen.

In den ersten Wochen nach der Pflanzung gießen Sie die jungen Bäume regelmäßig, sofern der Himmel seine Schleusen verschlossen hält. Für das Pflanzjahr ist ein Winterschutz empfehlenswert. Bedecken Sie die Wurzelscheiben mit Nadelreisig oder Kokosscheiben. Herbstlaub ist ungünstig, weil sich darunter Nässe ansammeln und Fäulnis bilden kann.

Quellen mit teils sehr ausführlichen Anleitungen: BUND-sh.de, hier Anlage einer Streuobstwiese und Umweltdachverband.at, hier 58-seitige Broschüre Streuobst in Österreich und Wikipedia.org, hier Streuobstwiese

Fazit

Streuobstwiesen sind ökologische Schatzkammern für eine überbordende Anzahl an Tier- und Pflanzenarten. Für den Erhalt dieser traditionellen Art des Obstanbaus setzen sich in Deutschland und Österreich viele Menschen ein. Wie diese Tipps aufzeigen, ist es eigentlich sehr einfach, selber eine Streuobstwiese anzulegen. Damit fällt dann der Startschuss für Ihr ganz persönliches Naturparadies.

Musik "Travelling Time" von Mapamusic bei Pixabay.

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