Lassen Sie sich nicht länger von Kartoffelkäfern die Freude am Anbau von Kartoffeln verderben. Im naturnahen Garten stehen Sie den gefräßigen Schädlingen nicht wehrlos gegenüber. Erfahren Sie hier im Steckbrief wissenswerte Fakten über den unersättlichen Feind im Kartoffelbeet mit den besten Tipps für die Kartoffelkäfer Bekämpfung mit Hausmitteln. Auf geht’s!
Das Beitragsbild ist von Petr Ganaj auf Pixabay

Kurzfassung
Kartoffelkäfer sind 7-15 cm groß mit hellgelben, schwarz gestreiften Deckflügeln. Larven sind leuchtend rot, später orange-gelb mit schwarzen Flecken. Die Kartoffelkäfer Larve im dritten und vierten Larvenstadium verursacht die schlimmsten Schäden im Gemüsegarten. Hausmittel gegen Kartoffelkäfer sind Neemöl, Rainfarn-Tee, Gesteinsmehl, Kaffeesatz, Brennnesseljauche und manuelles Absammeln.

Kartoffelkäfer Steckbrief
Die Jahreszahl 1877 hat sich eingebrannt ins kollektive Gedächtnis von Hobbygärtnern und gewerblichen Kartoffelbauern. In jenem Jahr wurden in Deutschland, Holland und England die ersten Kartoffelkäfer gesichtet. Innerhalb weniger Jahre entwickelten sich die Käfer zu den gefährlichsten Schädlingen für den Anbau von Kartoffeln und anderen Nachtschattengewächsen. Kartoffelkäfer richten solch katastrophale Verwüstungen an, dass sie Mitte des vorigen Jahrhunderts sogar als biologische Waffe in Betracht gezogen wurden.
Damit naturnahe Hobbygärtner erfolgreich Kartoffelkäfer bekämpfen, ist es wichtig, die Schädlinge frühzeitig zu erkennen und mit deren Lebensgewohnheiten vertraut zu sein. Folgender Steckbrief gibt einen kompakten Überblick:
Insekten Familie | Blattkäfer (Chrysomelidae) |
Käfer-Art | Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata) |
Synonyme | Erdäpfelkäfer, Colorado-Käfer |
Herkunft | Nordamerika, Bundesstaat Colorado |
Körperlänge adulter Käfer | 7-15 mm |
Erscheinungsbild Kartoffelkäfer | rundlich-oval, hellgelbe Flügeldecken mit 10 dunkelbraunen oder schwarzen Längsstreifen |
Erscheinungsbild Kartoffelkäfer Larve | 2-10 mm lang, blutrot, später orange-rot, schwarze Punkte seitlich und am Kopf |
Kartoffelkäfer Eier | orange-gelb, zylindrisch, auf den Blattunterseiten |
Aufkommen pro Jahr | 1 bis 3 Generationen |
Aktivität | tagaktiv |
Lebensdauer | zweijährig mit einer Überwinterung |
Nahrungspflanzen | Nachtschattengewächse, primär Kartoffeln, Tomaten, Paprika, Auberginen |

Kartoffelkäfer Steckbrief Erläuterungen

Bild von Petr Ganaj auf Pixabay

Erscheinungsbild Kartoffelkäfer – Warum eine Warntracht?
Die auffällige Warntracht von Kartoffelkäfern hat einen handfesten Grund. Bei drohender Gefahr scheiden die Käfer ein giftiges Wehrsekret aus, um sich Feinde vom Hals zu halten. Für Menschen ist das Toxin unbedenklich. Vögel, Kröten und anderen Nützlingen könnte es freilich schwer im Magen liegen.
Kartoffelkäfer Steckbrief – ein folgenschwerer Lebenszyklus
Für eine erfolgreiche Bekämpfung ist es wichtig, den Lebenszyklus von Kartoffelkäfern genau zu kennen. Tatsächliche Verursacher der katastrophalen Ernteschäden sind nämlich die gefräßigen Larven in den beiden letzten Entwicklungsstadien. Ein kurzer Streifzug durch das Leben eines Kartoffelkäfers verdeutlicht seine geniale Überlebensstrategie, die weltweit unter Hobbygärtnern und Landwirten für Verdruss sorgt.

Bild von Gilles San Martin – CC BY-SA 2.0
Wenn im Frühling die ersten Kartoffelpflanzen sprießen, erwacht der Kartoffelkäfer in seinem Winterquartier im Boden. Kaum haben sich die Käfer den Schlaf aus den Augen gerieben, widmen sie sich einem Reifungsfraß an den zarten Blättern. Bis Ende Mai/Anfang Juni haben sich die adulten Colorado-Käfer soweit gestärkt, dass sie die Fortpflanzung in Angriff nehmen. Begattete Weibchen legen ihre Eier paketweise ab auf den Unterseiten der Blätter. In einem Sommer platziert ein fleißiges Weibchen bis zu 1200 Eier in Paketen von 20 bis 80 Stück. In Anbetracht einer zweijährigen Lebensdauer produziert ein einziger weiblicher Kartoffelkäfer bis zu 2400 Nachkommen.

Innerhalb von 5 bis 12 Tagen schlüpfen aus den Eiern leuchtend rote Larven, die sich sogleich über die Blätter hermachen. Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Im Verlauf von insgesamt vier Entwicklungsstadien wachsen die Larven rasant. Parallel dazu steigert sich ihr Heißhunger auf Kartoffelblätter stetig und nimmt in der letzten Phase desaströse Dimensionen an. Nach 17 bis 20 Tagen ist der Spuk vorbei, denn die Fressmaschinen kriechen zur Verpuppung in den Boden.
Verpuppung und Schlupf im Erdreich nehmen etwa zwei Wochen in Anspruch. Daraufhin beginnt der Teufelskreis von vorne, indem die ausgewachsenen Kartoffelkäfer ausfliegen, sich an Blättern satt fressen und im Juli die zweite Generation ins Leben rufen. Bei idealen Rahmenbedingungen entwickelt sich im August eine dritte Generation und gibt den wenigen überlebenden Kartoffelpflanzen den Rest. Die Käfer der diesjährigen Generationen überwintern in bis zu 50 Zentimetern Tiefe im Gartenboden.

Kartoffelkäfer richten im Gemüsegarten ein verheerendes Schadbild an
Die Spirale der Vernichtung setzt sich in Gang, wenn Kartoffelkäfer nach dem Winter aus dem Boden kriechen. Mit jedem Entwicklungsschritt eskaliert der Schaden im Gemüsegarten. Folgender Überblick zum Schadbild verdeutlicht, warum rechtzeitiges Eingreifen eine Schlüsselfunktion einnimmt im Kampf gegen Erdäpfelkäfer:
Reifungsfraß bis zur Eiablage: leichte Fraßschäden an den Blatträndern
Erstes und zweites Larvenstadium: mittlere Schäden als Rand- und Lochfraß an Nachtschattengewächsen
Drittes und viertes Larvenstadium: pausenloser Kahlfraß bis zur vollständigen Skelettierung betroffener Pflanzen
Als Nahrungsquelle dienen primär Kartoffelpflanzen, worauf der Name der Schädlinge Bezug nimmt. In Ermangelung ihrer Lieblingspflanzen verschmähen Kartoffelkäfer weitere Nachtschattengewächse nicht. Hierzu zählen Tomaten, Kirschtomaten, Paprika, Auberginen und Chili.
Kartoffelkäfer natürlich bekämpfen – Die 5 besten Bio-Mittel
Im ersten und zweiten Stadium ist eine Kartoffelkäfer-Larve besonders anfällig für Bekämpfungsmaßnahmen. Fernerhin ist die Brut noch nicht von einem unersättlichen Hunger getrieben, wie in späteren Entwicklungsphasen. Kommen die richtigen Mittel zum perfekten Zeitpunkt zum Einsatz, findet das große Fressen des dritten und vierten Stadiums in Ihrem Garten nicht statt.
Aus zwei wichtigen Gründen finden chemische Spritzmittel in diesen Tipps keine Berücksichtigung. Wenn Sie Kartoffelkäfer chemisch bekämpfen, kann nicht ausgeschlossen werden, dass Ihre Kartoffeln mit dem Insektizid belastet sind. Um ebendiesem Problem aus dem Wege zu gehen, investieren Hausgärtner viel Zeit und Mühe in den ökologischen Gemüseanbau. Fernerhin haben Kartoffelkäfer und Larven eine ausgeprägte Pestizidresistenz entwickelt. Selbst hochgiftige Spritzmittel, wie DDT in den Nachkriegsjahren und Pyrethrum in den 70er Jahren, hatten innerhalb kurzer Zeit ihr Pulver verschossen im Kampf gegen die Kartoffelkäfer-Plage.

Bekämpfung des Kartoffelkäfers durch Absammeln
Manuelle Bekämpfungsmethoden tricksen die geniale Anpassungsfähigkeit von Kartoffelkäfer-Larven aus. Beim Ablesen und Abschütteln nehmen Sie die Schädlinge einzeln ins Visier.

Bester Zeitpunkt: Ab Mitte/Ende April fortlaufend alle paar Tage bis August.








Am Vormittag die Kartoffelkäfer Larven und adulten Käfer von den Blättern ablesen mit den Fingern oder einer Schneckenzange (gibt’s bei Amazon), auf den Boden werfen und zertreten.








Alternativ eine Folie ausbreiten und die Schädlinge abschütteln, was hauptsächlich gegen die Larven hilft, weil die erwachsenen Kartoffelkäfer gut fliegen können.
Zum guten Schluss unterziehen Sie alle Blattunterseiten einer Inspektion. Wenn Sie an diesen Stellen orange-gelbe Eier entdecken, streifen Sie die Gelege von Hand oder mit Küchenpapier ab.
Die manuelle Bekämpfung wirft für naturnahe Hobbygärtner die Frage auf: Absammeln von Kartoffelkäfern und dann? Hierzu gibt es leider nur eine Antwort. Kartoffelkäfer stehen auf der Schwarzen Liste invasiver Arten, den sogenannten Neophyten. Somit bewegen sich die Käfer auf Augenhöhe mit Wanderratten, Nacktschnecken, Moskitos und weiteren Lebewesen, die als biologische Invasoren gefürchtet sind. Es ist verboten, Neophyten einfach freizusetzen, weil sie heimische Arten in Bedrängnis bringen.


Kartoffelkäfer bekämpfen mit Brennnesseljauche
Bio-Gärtner attestieren selbst hergestellter Brennnesseljauche beste Wirksamkeit gegen Kartoffelkäfer. Kommt das Naturmittel ab dem Frühjahr regelmäßig zum Einsatz, stärkt es die Widerstandskraft junger Kartoffelpflanzen gegenüber den Schädlingen. Rechtzeitige Blatt-Spritzungen vermiesen Kartoffelkäfer Weibchen die Absicht, auf den Unterseiten ihre Eier zu platzieren.








1 kg frische Brennnessel in einem Holzbottich aufschichten und im Halbschatten aufstellen.








10 l gesammeltes Regenwasser darüber gießen.








Behälter abdecken mit Maschendraht.








Täglich die Jauche umrühren mit einem Holzstab.
Der Gärprozess nimmt 10 bis 14 Tage in Anspruch. Gegen den unangenehmen Geruch hilft Gesteinsmehl, z. B. das Neudorff Urgesteinsmehl (gibt’s bei Amazon). Seihen Sie die fertige Brennnesseljauche ab. Vor der Anwendung verdünnen Sie die Pflanzenjauche mit Regenwasser im Verhältnis von 1:10 und füllen das Mittel in eine eine Sprühflasche füllen, z. B. dem Gloria Handsprüher (gibt’s bei Amazon). Wichtig zu beachten ist, dass Sie die Ober- und Unterseiten von Kartoffel- und Tomatenpflanzen mindestens ein Mal pro Woche besprühen. Übrigens kann man jetzt auch Brennnesseljauche Konzentrat bei Amazon kaufen.


Kartoffelkäfer Larven bekämpfen mit einem Bio-Raupenmittel
Aus dem Hause Plantura stammt ein hochwirksames Bio-Spritzmittel gegen Buchsbaumzünsler Raupen, das auch Kartoffelkäfer Larven bekämpft mit dem natürlichen Wirkstoff Bacillus thuringiensis subspecies aizawai. Xentari Zünslerfrei können Sie bei Amazon kaufen. In einer Packung enthalten sind 8 Portionsbeutel mit jeweils 2 g, die in Wasser aufgelöst werden. Das Bio-Spritzmittel ist nicht bienengefährlich, nützlingsschonend, zugelassen im biologischen Landbau und wird in Deutschland hergestellt. Allerdings wirkt es nicht gegen Kartoffelkäfer, sondern ausschließlich gegen die Larven.


Kartoffelkäfer bekämpfen mit Neem
In den tropischen Regionen dieser Erde gedeiht der prächtiger Neembaum (Azadirachta indica), dessen Früchte prall gefüllt sind mit heiß begehrten Samen. Aus diesen Samen wird Neemöl gewonnen, ein biologisches Insektizid gegen Kartoffelkäfer. Die natürlichen Inhaltsstoffe wirken nicht unmittelbar tödlich auf die Schädlinge. Vielmehr werden Wachstum, Fortpflanzung und Nahrungsaufnahme gehemmt. Folgende Produkte mit Neemöl als Hauptbestandteil erfreuen sich guter Bewertungen von Kartoffelkäfer geplagten Hobbygärtnern und sind alle bei Amazon erhältlich:
Plantura Bio-Schädlingsfrei Neem
Substral Naturen Bio-Schädlingsfrei Neem
Bester Zeitpunkt für die Anwendung ist in den ersten fünf Tagen nach der Eiablage, idealerweise genau am fünften Tag. Um den exakten Termin zu ermitteln, kontrollieren Sie am besten täglich die Blätter von Nachtschattengewächsen auf den Ober- und Unterseiten. Es ist von Vorteil, wenn Sie eine LED-beleuchtete Handlupe (gibt’s bei Amazon) dabei haben, damit die winzigen Eier nicht Ihrer Aufmerksamkeit entgehen.


Gesteinsmehl wirkt gegen Kartoffelkäfer
Gesteinsmehl reduziert nicht nur die Geruchsbelästigung von Jauche, sondern ersetzt auch flüssige Bekämpfungsmittel, wenn im Hausgarten Mehltau grassiert. Dauerfeuchte Blätter bieten den Pilzsporen nämlich ideale Lebensbedingungen. Das bedeutet nicht, dass Sie sich dem Erdäpfelkäfer geschlagen geben müssen. Mit einer hauchdünnen Schicht aus Gesteinsmehl unterbinden Sie die Eiablage und verderben bereits anwesenden Larven den Appetit. Am besten tragen Sie das Pulver auf mit einer Stäubepumpe, die man bei Amazon günstig kaufen kann.
Obligatorisch für die erfolgreiche Kartoffelkäfer Bekämpfung ist der regelmäßige Wechsel zwischen den Bio-Spritzmitteln. Dank dieser Strategie können Sie einer Resistenzbildung der Larven entgegenwirken. Idealerweise findet der Wechsel immer dann statt, wenn eine neue Kartoffelkäfer-Generation in den Startlöchern steht. Kam im Mai ein Neem-Spritzmittel zum Einsatz, sollte im Juli Brennnesseljauche den Biestern das Leben schwer machen. Auf die dritte Generation im August trifft dann Gesteinsmehl oder ein anderes Neem-Präparat.
Zitat „Wir tricksen den Kartoffelkäfer nicht aus. Der Schädling hat so viele Strategien gegen alle möglichen Gifte entwickelt, dass er uns in 100 Jahren noch beschäftigen wird mit der Suche nach wirksamen Bekämpfungsmitteln“. (Prof. Dr. habil Stefan Kühne, Honorarprofessur für Pflanzenschutz im Ökologischen Landbau an der Eberswalde Universität).
Quellen: de.Wikipedia.org, Kartoffelkäfer und Bio-Gaertner.de, Kartoffelkäfer und Krautundrueben.de, Kartoffelkäfer bekämpfen und Plantura.garden, Kartoffelkäfer bekämpfen
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